Weniger arbeiten bei gleichem oder kaum geringerem Lohn: Die Forderungen der IG Metall bei den beginnenden Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie klingen für Beschäftigte verführerisch. Sie hätten mehr Zeit für Familie, Hobby oder Ehrenamt. Doch zu Recht warnen die Arbeitgeber vor solch vermeintlich paradiesischen Zuständen.

Bereits jetzt herrscht in vielen Betrieben ein besorgniserregender Mangel an Fachkräften. Und künftig sollen die vorhandenen auch noch kürzer arbeiten? Das Problem fehlender Leistungsträger würde sich verschärfen bis hin zur Gefahr, dass Aufträge unerledigt liegen bleiben und die frustrierten Kunden anschließend zur internationalen Konkurrenz abwandern. Diese wäre dann der eigentliche Nutznießer des Kurses der IG Metall – ein klassischer Rohrkrepierer für die hiesigen Arbeitnehmer.

Hinzu kommt, dass es bereits jetzt diverse betriebliche Möglichkeiten zur Teilzeitarbeit gibt. Allerdings können damit größere Einkommenseinbußen verbunden sein. Aber dies ist grundsätzlich angemessen. Denn mehr Freizeit hat aus ökonomischer Sicht ihren Preis, entrichtet in Form von Lohnverzicht. Solche Modelle der besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie gilt es weiter flexibel auszubauen. Entscheidend ist dabei, dass die Belange des Arbeitnehmers mit den Anforderungen des Unternehmens vor Ort in Einklang gebracht werden. Dies sichert am besten die jeweilige Wettbewerbsfähigkeit und damit den dauerhaften Erhalt des betreffenden Arbeitsplatzes.

Natürlich sollen und müssen die Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie von der positiven Wirtschaftsentwicklung profitieren. Sie haben schließlich durch ihre gute Arbeit zum Erfolg der Unternehmen maßgeblich beigetragen. Insofern ist die Forderung der Gewerkschaft nach sechs Prozent mehr Lohn zwar sehr hoch, aber gewiss nicht völlig aus der Luft gegriffen. Am Ende dürfte es ohnehin einen Kompromiss unterhalb dieser Marke geben. So etwas gehört seit Jahrzehnten zum Ritual von Tarifverhandlungen.

Man kann nur hoffen, dass dieses Mal eine Lösung ohne größeren Arbeitskampf gefunden wird. Gleichwohl sollten die Arbeitgeber beim Thema 28-Stunden-Woche hart bleiben. Sonst sägen sie am Ast ihres wirtschaftlichen Erfolges.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)