Wer nach Deutschland kommt, muss rasch wissen, ob er bleiben darf oder zu gehen hat. Wer stattdessen immer länger auf Klarheit warten muss, verliert wertvolle Zeit beim Erlernen der deutschen Sprache – von fehlenden privaten und beruflichen Perspektiven ganz zu schweigen. So richtig also zügige Abschiebungen für abgelehnte Asylbewerber auch sind, noch wichtiger sind schnellere Entscheidungen über neu gestellte Anträge.

Daher ist es politisch und menschlich unerträglich, dass sich die Bearbeitungszeiten beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge wieder deutlich verlängert haben. Brauchte das BAMF im vierten Quartal 2016 durchschnittlich 8,1 Monate und im Gesamtjahr 7,1 Monate, so waren es in 2015 noch 5,2 Monate gewesen – ein negativer Trend, der zwingend ins Gegenteil verkehrt werden muss.

Die Ursachen für diese ungute Entwicklung sind gewiss vielfältig. Dies zeigt allein schon die Tatsache, dass Menschen aus Somalia, der Türkei und der Russischen Föderation überdurchschnittlich lange auf einen Asylentscheid warten, während Syrer bereits im Schnitt nach 3,8 Monaten Klarheit haben. Gleichwohl ist die Komplexität einzelner Verfahren kein Grund, die Gesamtentwicklung achselzuckend als mehr oder weniger unabänderlich hinzunehmen. Dafür verursacht die hohe Zahl unerledigter Anträge zu viele humanitäre Probleme, finanzielle und womöglich auch sicherheitstechnische Kosten.

Auch verlieren positive Asylbescheide beträchtlich an Wert, wenn sie für die Betroffenen sehr spät kommen. Die Zeit des zu langen Wartens, der Untätigkeit treibt manche in die Resignation, in Kriminalität oder gar politische Radikalisierung – Stichwort Islamismus. Das muss nicht sein, wenn Politik und Behörden ihre Hausaufgaben richtig erledigen. Und wenn die betreffenden Asylbewerber von sich aus alles dazu beitragen, dass die Verfahren zügig und korrekt durchgeführt werden können.

Dies gilt vor allem bei der Feststellung der Identität. Hier gab und gibt es zahlreiche Tricksereien und Täuschungsversuche. Das muss künftig strenger geahndet werden – bis hin zum Abbruch des betreffenden Asylverfahrens. Ähnlich abschreckend wirken könnte auch die gerade vom Kabinett beschlossene Möglichkeit, Handydaten der Migranten zu überprüfen. All dies mag hart klingen, aber es dient einem Ziel: gerechte und zügige Entscheidungen zu Gunsten von Menschen in höchster Gefahr.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)