Treffen sie sich oder treffen sie sich nicht? Niemand weiß, ob Donald Trump Mitte Juni zu einem Treffen mit Nordkoreas Diktator Kim reisen wird. Nach der spontanen Bereitschaft zu einem Gipfel in Singapur erfolgte ebenso überraschend eine Absage, die später fast genauso schnell wieder relativiert wurde. Das zeigt: Die Dinge können sich fast täglich in die eine oder andere Richtung ändern.

Diese Sprunghaftigkeit Trumps ist eine große Gefahr, weil sie leicht zu Fehleinschätzungen mit anschließenden Überreaktionen führt, das Vertrauen der Verbündete beschädigt und gleichzeitig das Risiko für den außenpolitisch unerfahrenen Präsidenten erhöht, von Kim ausgetrickst zu werden. All dies ist für einen US-Präsidenten höchst unprofessionell.

Gewiss, es könnte auch alles gut ausgehen: Trump und Kim würden sich persönlich verstehen, politisch annähern, und Pjöngjangs Atomprogramm wäre tatsächlich beendet. Dies ist natürlich zu wünschen, aber ein solch eher unwahrscheinlicher Erfolg bliebe doch letztlich nur der Zufallstreffer eines diplomatischen Dilettanten. Denn der US-Präsident agiert, als seien der Konflikt und die beteiligten Partner ohne jegliche Vorgeschichte. Und als ob Ostasien nur auf weise Entscheidungen Trumps im fernen Washington gewartet hätte, um zu Frieden und zur Vernunft zu kommen.

Dem ist natürlich nicht so. Die Vorgeschichte der Krise ist lang und die Interessen der Akteure sind sehr unterschiedlich. Da heißt es, systematisch und mit kühlem Kopf an einer tragfähigen Lösung zu arbeiten. Unzählige Diplomaten und viele Amtsvorgänger Trumps haben dies über Jahrzehnte getan, wenn auch leider ohne den erwünschten großen Durchbruch.

Es wäre Trumps Pflicht, diese Erfahrungen zu nutzen statt zu glauben, er könne seine Methoden als New Yorker Geschäftsmann einfach mal mit Erfolg eins zu eins auf die Weltpolitik übertragen. Dies ist leichtfertig und dumm. Damit versagt er auch im Nordkoreakonflikt einmal mehr als seriöser und geachteter Führer der westlichen Welt – eine Position, die bislang jedem amerikanischen Präsidenten nach der Wahl gleichsam automatisch zugefallen ist.

Der langfristige Schaden für Wohlstand und Sicherheit der USA und ihrer Verbündeten könnte immens sein. Denn Partnerschafft setzt ein Mindestmaß an Vertrauenswürdigkeit und Verlässlichkeit voraus. Beides ist bei Trump leider nicht erkennbar.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)