Der Schock über das Attentat gegen den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund sitzt tief. Wieder einmal zeigt sich, dass kein öffentlicher Bereich vor Angriffen von gewaltbereiten Fanatikern sicher ist – egal welche wirren Motive diese jeweils auch haben mögen. Umso positiver die Reaktion von Verein, Zuschauern und gegnerischen Fans. Ruhe, Gelassenheit und Solidarität mit den attackierten Spielern prägen die Szene. Das ist vorbildlich, weil ein solches Verhalten am besten die Strategie von Terroristen durchkreuzt, Angst und Schrecken zu verbreiten.

Vorrangig gilt es, die Verfasser sämtlicher Bekennerschreiben dingfest zu machen – egal ob echt oder unecht. Wer den Anschlag verübt hat, muss selbstverständlich hart bestraft werden. Doch auch vermeintlich harmlose Trittbrettfahrer verdienen keinerlei Nachsicht von Polizei und Justiz. Sie behindern nicht nur die Ermittlungen sondern wollen ebenfalls ein Gefühl von Terror und Chaos erzeugen, politisch oder sozial erpressen. Genau dies sind die Methoden von tatsächlichen Terroristen etwa des Islamistischen Staates.

Letztlich sind die möglichen Motive von Bombenlegern wie in Dortmund ebenso vielfältig wie ihre möglichen Ziele. Es kann buchstäblich jeden Bürger treffen. Da es keinen absoluten Schutz vor solchen Verbrechen gibt, muss es um zweierlei gehen: erstens, das persönliche Risiko, gefasst zu werden, für die Täter möglichst hoch zu halten. Und zweitens den perfiden Nutzen, den sich diese Gewalttäter versprechen, weitestgehend unattraktiv erscheinen zu lassen. So wie jetzt beim BVB: Sorge, Betroffenheit und Empörung ja, aber keine übertriebene Angst oder gar den Wunsch, sich aus Furcht vor möglichen weiteren Anschlägen einzuigeln. Von diesen Reaktionen am Abend des Anschlags können andere nur lernen.

Im Übrigen bestätigt der Fall Dortmund, wie tiefgreifend sich die Sicherheitslage in Deutschland verändert. Die Bereitschaft zu Gewalt und Terror wächst generell. Dies zwingt dazu, die Polizei materiell und personell noch besser auszustatten – inklusive von Ermittlungsmöglichkeiten, die technologisch auf der Höhe der Zeit sind. Dies sollte parteiübergreifend zur politischen Daueraufgabe werden, nicht nur wenn wie jetzt wichtige Wahlen bevorstehen oder spektakuläre Verbrechen auf Prominente verübt wurden.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)