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Stimmungsumschwung zu Gunsten der Sozialdemokratie, Sieg bei den Parlamentswahlen und eine designierte Regierungschefin mit rotem Parteibuch: Was in Kopenhagen derzeit geschieht, scheint von Berlin Lichtjahre entfernt zu sein. Dort schmort die SPD seit Jahren im eigenen ideologischen Saft, zerlegt regelmäßig ihre jeweilige Führung und versucht verzweifelt, wieder positive Aufmerksamkeit und Anerkennung bei den Bürgern zu finden.

Den dänischen Genossen hatte ein ähnlicher Teufelskreis gedroht. Jetzt sind sie wieder obenauf. Daraus kann die SPD einiges lernen – nicht durch Kopieren von Inhalten aber durch mehr Mut, radikal neue Wege von der Einwanderungspolitik bis hin zum Klimaschutz zu gehen.

Gewiss, der harte Kurs der dänischen Sozialdemokraten gegenüber Asylbewerbern ist für deutsche Politiker kaum nachvollziehbar. Manches erinnert auch an Forderungen der AfD, allerdings ohne deren teilweise rassistische und fremdenfeindliche Untertöne. Letzteres ist entscheidend. Denn damit gelingt es den dänischen Sozialdemokraten, beispielsweise nach rechts abgewanderte konservative Arbeiter zurückzugewinnen und gleichzeitig bei klassisch linken Themen wie soziale Gerechtigkeit zu punkten. Und all dies ohne die eigenen moralischen Grundwerte und Prinzipien zu verletzen.

Die dänischen Sozialdemokraten haben programmatisch alles auf den Prüfstand gestellt, um aus ihrem Tief herauszukommen. Denkverbote gab es nicht, plausible Konzepte der Konkurrenz wurden kaltlächelnd kopiert, wenn sie erfolgversprechender als die eigenen Vorstellungen erschienen. Genau diese Offenheit gegenüber der Stimmung in der Bevölkerung und gegenüber neuen Ansätzen wird auch die SPD brauchen, um für sich die Trendwende zu schaffen.

Natürlich gibt es keine Patentrezepte, die einfach nur übernommen werden müssen. Aber mögliche Erfolgsmuster gibt es zuhauf. Was spricht etwa grundsätzlich dagegen, das Schrödersche Agenda-Motto „fördern und fordern“ endlich konsequent bei der Integration hier dauerhaft lebender Flüchtlinge und Asylbewerber anzuwenden? Oder sollten die Erkenntnisse des Weltklimarats nicht besser und plakativer in praktische Politik umgesetzt werden, auch wenn dies mancherorts viele traditionelle Jobs kosten könnte. Hier sind es die Grünen, die der SPD einen möglichen Erfolgsansatz aufzeigen…

(Für Pressekorrespondenz Berlin)