Eines steht in diesen Tagen vor Ostern leider fest: Die Zahl der Bilder des Schreckens aus Syrien wird nicht kleiner. Nur die öffentliche Wahrnehmung ändert sich. Viele Bürger beginnen, sich an die Horrorberichte zu gewöhnen. Bei ihnen macht sich eine Mischung aus Mitleid, Resignation und Fatalismus breit. Und die stille Hoffnung, dass ihnen selbst ein ähnliches Schicksal wie den Menschen in Aleppo oder Ost-Ghouta niemals drohen kann.

Doch das ist eine gefährliche Illusion. Auch in Europa bleibt der Frieden ein ebenso wertvolles wie zerbrechliches Gut. Deshalb gilt es, außenpolitische Scharfmacher jeglicher Couleur niemals zu unterschätzen. Denn die Konsequenzen könnten katastrophal sein – so wie jetzt in Syrien.

Auch zeigen die dortigen Ereignisse, wie schnell eine politische Aufbruchsstimmung in blanken Horror münden kann. Was als Arabischer Frühling mit viel Hoffnung und jugendlicher Begeisterung begann, ist heute längst ferne Vergangenheit. Fremde Mächte, Kurden Islamisten, Truppen des Gewaltherrschers Assad und diverse Terrororganisationen ließen das Land mittlerweile in Schutt und Asche versinken. Und keiner der ursprünglichen, friedlichen Demonstranten hätte sich so etwas auch nur im Entferntesten vorstellen geschweige denn wünschen können.

Dies lehrt eines: Auch die beste Absichten können die schlimmsten Folgen haben, wenn erst einmal die Schwelle zur offenen Gewalt überschritten ist. Dann könnte es – wie jetzt in Syrien – kein Zurück mehr geben.

Vor diesem Hintergrund wird umso deutlicher, wie wichtig eine andauernde Friedenspolitik auch in und für Europa ist. Entscheidend bleibt, Veränderungen ausschließlich mit Worten anzustreben, ohne allerdings dabei wehrlos zu sein. Denn offenkundige militärische Schwäche wirkt auf manche anderen Staaten geradezu einladend. Ihnen geht es um Macht und nicht um Moral – sprich um Gewaltlosigkeit oder Frieden um jeden Preis.

Man denke etwa an das russische Vorgehen auf der Krim und in der Ukraine. Doch so verwerflich Moskaus Agieren grundsätzlich auch sein mag – inklusive einer möglichen Verwicklung in den Giftanschlag auf den Doppelagenten Skripal in Großbritannien: Es darf und muss kritisiert werden, ohne dabei jedoch weitere gefährliche Zuspitzungen zu provozieren.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)