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Sigmar Gabriels politische Zukunft dürfte jetzt endgültig vorbei sein. Denn seine Absicht, in den Verwaltungsrat des Zugherstellers Siemens Alstom zu gehen, weckt ungute Erinnerungen an den Wechsel Gerhard Schröders zur russischen Nord Stream AG, kurz nachdem dessen Kanzlerschaft endete. Seither gilt Schröder als Lobbyist von Wladimir Putin.

Als Gabriel noch Bundeswirtschaftsminister war, hatte er die seinerzeitige Fusion zu dem deutsch-französischen Unternehmen ausdrücklich unterstützt. Ist der neue Posten ein Dank dafür? So weit muss man nicht gleich gehen, zumal rein rechtlich alles in Ordnung scheint.. Aber ein Geschmäckle hat der eilige Wechsel in die Privatwirtschaft schon. Zumindest die auf EU-Ebene inzwischen übliche Frist von 18 Monaten zwischen Bekanntgabe und Übernahme einer solchen Position hätte dem früheren SPD-Vorsitzenden gut angestanden. Der Imageschaden für die Partei und ihn persönlich wäre dann um einiges geringer gewesen.

Gewiss ist es grundsätzlich legitim, ja sogar wünschenswert, dass Politiker professionelle Erfahrungen auch jenseits von Regierungsarbeit, Parlament und Partei sammeln. Insofern sollten Wechsel zu privat geführten Unternehmen eher häufiger als seltener stattfinden. Aber ebenso klar müssen hierbei für einen früheren Vizekanzler wie Gabriel strengere Maßstäbe als für irgendeinen Hinterbänkler gelten. Dies trifft erst recht zu, wenn das betreffende Unternehmen ein wichtiges Thema in der eigenen Amtszeit war.

Gabriel scheint sich allerdings – wie Schröder – um solche Stilfragen nicht mehr zu scheren. Stattdessen wird der bisherigen Karriere Servus gesagt und andernorts Kasse gemacht. Das ist ein harter Bruch, der eine Rückkehr auf die große Bühne in Berlin oder auch Brüssel praktisch unmöglich macht. Möglicherweise wird Gabriel deshalb den jetzigen Entschluss eines Tages ebenso bedauern, wie sein persönliches Nachtreten gegenüber Martin Schulz, als dieser ihn – am Ende vergebens – vom geliebten Posten des Außenministers verdrängen wollte.

Doch der Goslarer kann wohl nicht anders. Er hat sich in seiner Karriere schon des Öfteren zu spontanen Reaktionen hinreißen lassen und damit vieles verbaut. Schade, denn Gabriel ist ein großes politisches Talent und ein glänzender Redner. Davon gibt es nur wenige in der Republik.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)