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Nach jedem Amoklauf in den USA ertönt der Ruf nach schärferen Waffengesetzen. Doch ebenso regelmäßig verläuft die Debatte nach ein paar Tagen oder Wochen wieder im Sande. Zu mächtig wirkt die Lobby der Waffenhersteller, zu tief das Vertrauen vieler Amerikaner in den persönlichen Schutz durch eigene Revolver und Gewehre.

Dieses Mal ist es anders. Nach dem kürzlichen Massaker in einer Schule in Parkland verliert die übliche Beschwichtigungsroutine deutlich an Wirkung. Bezeichnend hierfür ist, dass mittlerweile selbst Großkonzerne auf Distanz zu den Waffenherstellern gehen, weil sie um ihren Ruf fürchten. Und das ist eine Sprache, die im urkapitalistischen Amerika gut verstanden wird.

Wenn es ums Geschäft geht, hört bei Wirtschaftsbossen und Politikern die Ideologie auf. Der skandalöse Missbrauch von liberalen Waffengesetzen ist nichts, mit dem man gerne in Verbindung gebracht werden mag. Die einstige Prestigebranche der Waffenhersteller wird deswegen zunehmend in die Schmuddelecke gestellt.

Kurzfristig ändert sich dadurch wenig. Die Geschäfte laufen weiterhin gut. Von einer echten Wende hin zu Vernunft und waffenfreien Wohnzimmern kann daher noch keine Rede sein. Aber der Druck auf Politiker und Industrie nimmt zu. Sogar Donald Trump muss intensiver reagieren, als ihm nach den hohen Wahlkampfspenden der Waffenlobby lieb sein dürfte. Dies zeigt sein Treffen im Weißen Haus mit Verwandten und Freunden der Opfer von Parkland.

Der Präsident wirkte zunächst hilflos, als ein besserer Schutz vor Amokschützen an Schulen gefordert wurde. Aber er nahm die Angelegenheit ernst. Denn so mächtig und zahlungskräftig die Waffenlobby auch sein mag: Fernsehbilder von trauernden und empörten jungen Menschen haben ebenfalls politisches Gewicht. Sie können das Meinungsklima beeinflussen und somit auch Wahlentscheidungen verändern – für Trump der Grund, ein abstruses Ablenkungsmanöver zu starten.

Nichts anderes ist sein spontaner Vorschlag, Lehrer zu bewaffnen, um Überfälle an Schulen besser abwehren zu können. Eine solche Maßnahme würde lediglich der Industrie nützen. Weitere Amokläufe ließen sich dadurch gewiss nicht verhindern helfen.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)