So sonderbar und schmutzig wie dieses Mal verlief noch kein Präsidentschaftswahlkampf in den USA. Und an diesem Montag könnte dieser unrühmliche Negativrekord im ersten TV-Duell zwischen Hillary Clinton und Donald Trump sogar noch übertroffen werden. So hat der Republikaner Trump beispielsweise damit gedroht, eine Ex-Geliebte von Hillary Clintons Ehemann Bill in die erste Zuschauerreihe zu setzen – eine Provokation für die Kontrahentin und zugleich eine Verhöhnung der amerikanischen Verfassungskultur.

Das Rennen um das wichtigste Amt der Nation soll offenbar vollends zur Klamotte verkommen – auch wenn der Ausgang des „Spiels“ in Wahrheit alles andere als lustig ist. Denn wer gewinnt, kann Entscheidungen mit immenser Tragweite fällen. Nicht auszumalen, falls dies ein Politrabauke wie Trump wäre.

Was muss eigentlich noch alles geschehen, bis die pöbelnde Wahlkampflokomotive des Milliardärs endlich von den Amerikanern auf Abstellgleis geschickt wird? Wut auf Washington und seine angeblich selbstsüchtigen Politiker mag sich ja gern eine gewisse Zeit austoben. Aber irgendwann wird dies zu gefährlich. Und dieser Punkt ist erreicht. Bezeichnend hierfür ist die traditionelle Wahlempfehlung der weltweit renommierten Zeitung „New York Times“. Deren Kommentarteam votiert jetzt offiziell für Clinton und schreibt, dass Trump „der schlechteste Kandidat ist, den eine größere Partei in der modernen Geschichte nominiert hat”. Deutlicher geht es nicht.

Gleichwohl ist noch nichts entschieden. Ganz wichtig wird sein, wie sich Clinton und Trump jetzt im TV-Duell behaupten. Das Problem ist nur, dass es dabei – anders als in früheren Fernsehduellen –weniger auf Seriosität als auf Schlagfertigkeit gegen Attacken unter die Gürtellinie ankommen könnte. Und für derartige Polit-Prügeleien hat sich Trump leider als ebenso skrupelloser wie perfekter Könner ausgewiesen.

Clinton muss zusehen, dass sie sich nicht auf dieses niedrige Niveau ziehen lässt, dabei aber trotzdem wehrhaft und souverän wirkt. Keine leichte Aufgabe für die ehemalige First Lady. Doch was heißt schon leicht, wenn man ins Weiße Haus einziehen will? Clinton hat die besten Argumente und Berater, um Trump zu besiegen. Nun liegt es allein an ihr.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)