Es mag Zufall sein, dass BND-Präsident Kahl ausgerechnet einen Tag nach den Hacker-Attacken auf die Telekom vor Cyber-Angriffen aus Russland im Wahljahr 2017 warnt. Gleichwohl: Der Ernst der Lage hätte so nicht drastischer unterstrichen werden können. Aus einem Thema für Spezialisten ist längst eine Bedrohung für alle Bürger geworden. So mag der vorübergehende Ausfall von Internet- und Telefonverbindungen für den Einzelnen noch zähneknirschend hinnehmbar sein. Derartige Störungen sind in der Regel lästig aber nicht wirklich gefährlich. Doch spätestens bei dem Versuch, den Ausgang der Bundestagswahl zu beeinflussen, ist höchste Alarmstufe geboten.

Die entsprechenden Hinweise Kahls müssen ernst genommen werden. Bloßes Abwarten in der Hoffnung, so schlimm werde es schon nicht werden, wäre grob fahrlässig. Die Wahlen zum Bundestag und zu anderen Volksvertretungen dürfen auch nicht im Geringsten manipuliert werden. Selbst vermeintlich kleinere Störungen, die das Endergebnis nicht entscheidend verändern, könnten fatale Folgen haben. Feinde der Demokratie hätten leichtes Spiel, die Legitimität des ganzen Verfahrens und damit auch der gewählten Regierung anzuzweifeln. Die Verlierer würden den Wahlsieg ihrer Konkurrenten nicht mehr vorbehaltlos anerkennen, das innenpolitische Klima wäre vergiftet,– ein Horrorszenario für den politischen Prozess.

So weit muss es 2017 nicht gleich kommen. Aber selbst erste Schritte in diese Richtung wären schlimm. Und auch nicht auszudenken, was geschehen kann, wenn Polit-Kriminelle in Deutschland per Computer großflächig Krankenhäuser oder Kraftwerke lahmlegen. Dass dies technisch prinzipiell möglich ist, steht außer Frage. Umso wichtiger sind Schutzmaßnahmen, die Hackern den unerlaubten Zugriff denkbar schwer machen.

Kahl mag mit seinem Hinweis auf Russland Recht haben. Aber im Grunde ist es egal, von wo aus die Attacken erfolgen. Denn die Akteure sind kaum zu fassen, zumal wenn sie mit Schutz oder im Auftrag eines Staates handeln. Dagegen hilft nur eines: Prävention und bestmögliches Wappnen für den Ernstfall. Gewiss, dies ist schwierig und teuer, denn die dafür geeigneten Spezialisten sind auf dem Arbeitsmarkt rar. Aber es gibt keine Alternative: Der Staat darf nichts unversucht lassen, um seine Bürger vor gefährlichen Cyber-Attacken zu schützen.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)