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Das Gesetz zur Zuwanderung von Fachkräften nach Deutschland war überfällig. Denn der heimischen Wirtschaft und insbesondere dem Handwerk fehlen seit langem viele qualifizierte Mitarbeiter. Dieses Problem könnte sich angesichts des demografischen Wandels sogar bald noch weiter verschärfen. Die Folgen für Wohlstand und Sozialsystem wären beträchtlich. Insofern ist der deutsche Arbeitsmarkt auf passende Zuwanderung aus dem Ausland dringend angewiesen.

Ob die jetzt vom Kabinett beschlossene Regelung allerdings tatsächlich schon der erhoffte große Wurf ist, wird sich erst in der Praxis zeigen. Eine gewisse Skepsis scheint durchaus angebracht.

So ist offen, wie sich die Abgrenzung zwischen Flüchtlingen und Asylsuchenden auf der einen sowie Job-Zuwanderern auf der anderen Seite auswirken wird. Denn klar ist: Schutzsuchende dürfen nicht ohne weiteres zu Arbeitssuchenden werden können. Das würde illegaler Zuwanderung und damit dem Missbrauch Tür und Tor öffnen. Andererseits ist es unsinnig, eine mittlerweile beruflich und menschlich gut integrierte Fachkraft zurück in ihr Herkunftsland zu schicken, nur weil sie am Anfang ihres Aufenthalts in Deutschland einen anderen rechtlichen Status gehabt hat.

Heikel ist auch, welche sprachlichen Voraussetzungen schon zu Beginn der Jobsuche vorhanden sein müssen. Schließlich ist Deutsch im Vergleich zu Englisch erstens recht schwierig und zweitens deutlich geringer verbreitet. Deshalb könnte es Sinn machen, die entsprechenden Kenntnisse erst nach Jobaufnahme zu einem späteren Zeitpunkt nachweisen zu müssen. Sonst droht die Gefahr, dass sich die besten Fachkräfte zunächst im englischsprechenden Ausland – Kanada, Neuseeland, USA – umsehen, bevor sie sich für einen Wechsel nach Deutschland interessieren. Das würde den Effekt des jetzt geplanten Gesetzes deutlich mindern. Denn der hiesige Arbeitsmarkt sollte natürlich idealerweise für die Besten unter den Zuwanderern die erste und nicht bloß die zweite Wahl sein.

Doch all dies ist im Grunde nur zweitrangig. Viel wichtiger bleibt, dass Regierung und Parlament jetzt offenkundig einen strategischen und sinnvollen Kurswechsel vollziehen wollen. Notwendige Feinjustierungen können dann getrost später erfolgen.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)