Der politische Nebel nach dem zweiten TV-Duell in den USA lichtet sich. Und da sieht es für Donald Trump zunehmend finster aus. Die neueste Umfrage für den Sender NBC News und das “Wall Street Journal” sieht seine Konkurrentin Hillary Clinton jetzt mit 14 Prozentpunkten vorn. Und ebenso desaströs für ihn: Der wichtigste Republikaner im Kongress rückt vom eigenen Präsidentschaftskandidaten ab und gibt die Parole aus: Jeder für sich, keiner für Trump. Damit steht dieser ohne ideellen und finanziellen Rückhalt der Partei da.

Im Klartext heißt dies: Paul Ryan, der Sprecher und damit mächtigste Mann des Repräsentantenhauses, gibt Trump keine Chance mehr gegen Clinton. Statt sich hinter einen aussichtslosen Kandidaten zu scharen und Ressourcen der Partei zu verplempern, sollten sich die Abgeordneten besser auf ihre eigene Wiederwahl konzentrieren. Dies ist eine klassische politische Notbremse, um nicht in einem Abwärtssog umzukommen. Das Bedauern darüber sollte sich in Grenzen halten. Denn Trump ist vulgär statt volksnah, borniert statt besonnen, egoistisch statt ehrlich – denkbar schlechte Voraussetzungen für das wichtigste Amt der westlichen Welt.

Kaum vorstellbar, dass der Milliardär bis Anfang November noch die Wende schafft. Denn das Abrücken Ryans und anderer Republikaner ist kein bloßes Resultat schlechterer Umfragewerte. Solche Zahlen könnten sich ja auch schnell wieder ändern. Es geht um mehr: Den Stil und die Seriosität einer alt-ehrwürdigen Partei, die Trump tagtäglich der Lächerlichkeit preisgibt. Die Grand Old Party muss befürchten, am Ende des Wahlkampfs ums Weiße Haus machtpolitisch und moralisch nur noch ein Schatten ihrer selbst zu sein.

Trumps rüdes und niveauloses Auftreten im Fernsehduell gegen Clinton sollte auch dem letzten Zweifler und Zauderer unter den republikanischen Abgeordneten und Senatoren klargemacht haben: Dieser Kandidat ist ein Chaot und eine Belastung für die zeitgleich mit der Präsidentenwahl stattfindenden Wahlen für den Kongress. Dort verfügen die Republikaner momentan noch in beiden Kammern über die parlamentarische Mehrheit. Und die wollen sie verständlicherweise mit ganzer Energie verteidigen. Ein Politzocker wie Trump ist da keine Hilfe. Im Gegenteil, er wird zum politisch existenziellen Sicherheitsrisiko.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)