Eine klügere Wahl hätte Angela Merkel nicht treffen können. Annegret Kramp-Karrenbauer wird die erste Frau auf dem Posten des CDU-Generalsekretärs sein, sie genießt großen Respekt in der Partei, kann auch in schwierigen Zeiten Wahlen gewinnen und führt eine schwarz-rote Landesregierung. Das sind beste Voraussetzungen, um auch in Berlin Erfolg zu haben. Das Ziel dabei ist klar: bundespolitische Profilierung, um später die Nachfolge Merkels anzutreten. Denn ohne eine solche Perspektive wäre Kramp-Karrenbauer wohl kaum aus Saarbrücken wegzulocken gewesen.

Die Kanzlerin und ihre künftige Generalsekretarin haben seit langem ein enges Vertrauensverhältnis. Dies lässt erwarten, dass die weitere Zusammenarbeit ebenfalls loyal und harmonisch sein wird, sprich: Kramp-Karrenbauer dürfte allein Merkel die Entscheidung überlassen, wann ein Wechsel an der Spitze von Partei und Regierung erfolgt.

Die Saarländerin gilt dabei als Wunschkandidatin Merkel. Als CDU-Generalsekretärin hat sie künftig reichlich Gelegenheit, sich auch den Wählern auf Bundesebene zu empfehlen. Kramp-Karrenbauer ist Profi genug, um sich diese Karrierechance nicht entgehen zu lassen.

Ihr Pragmatismus und ihre unaufgeregte Art erinnern stark an Merkel. Die Kanzlerin hat mit solchen Eigenschaften viele Wahlen gewonnen. Daher spricht einiges dafür, dass auch Kramp-Karrenbauer in der breiten Öffentlichkeit positiv ankommen wird. Gerade in unsicheren Zeiten wie jetzt zählen Vertrauenswürdigkeit und Verlässlichkeit. Die Saarländerin verkörpert beides in ungewöhnlichem Maße.

Die Hauptaufgabe Kramp-Karrenbauers wird die programmatische Erneuerung der CDU sein. Die Partei muss wieder Mut fassen und sich inhaltlich reformieren, um auch künftig die große bürgerliche Volkspartei zu bleiben. Denn der Abgrund ist nahe, wie Beispiele von europäischen Schwesterparteien und auch die aktuelle Lage der SPD zeigen.

Entscheidend wird sein, wie schnell und wie weit Kramp-Karrenbauer die Veränderungen innerhalb der CDU durchführen kann. Das wird nicht einfach, denn viele in der Parteiführung werden sie auch als unliebsame Konkurrenz bei einem künftigen Machtwechsel ansehen. Umso mehr zählt, dass sich Merkel und Kramp-Karrenbauer bei der anstehenden Neuaufstellung gegenseitig stützen – die eine zur Sicherung der eigenen Macht, die andere zu deren späterer Übernahme.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)