Dies wird eine Woche der Vorentscheidungen: Über die Chancen einer Jamaika-Koalition in Berlin, aber auch über die weitere Zukunft von Horst Seehofer. Beides hängt zusammen. Denn solange die möglichen Partner an der Spree vornehmlich Frust erzeugen, werden sich auch an der Isar die dunklen Wolken über dem CSU-Chef nicht verziehen.

Seehofer muss schnell beweisen, dass er bei den Sondierungen Gutes für die CSU und Bayern erreichen kann. Sonst ist er dort problemlos zu ersetzen. Seine Gegner stehen bereit – siehe die Reaktion von Seehofers Rivalen Söder auf die Rücktrittsforderung der bayerischen Jungen Union. Keine Kritik des CSU-Finanzministers wegen der heftigen Personaldebatte sondern grundsätzliches Lob für den Parteinachwuchs: Das ist eineAffront gegenüber dem eigenen Ministerpräsidenten.

Bislang hatte Söder zwar stets spüren lassen, dass er Seehofer gerne politisch beerben würde. Aber vor einer Kampfabstimmung ist er zurückgeschreckt. Das Risiko des Scheiterns und der Spaltung in der Partei schien zu groß. Doch nun gerät Seehofer sichtlich ins Schwimmen. Die Basis macht mobil gegen den erfolglosen Chef, und auch aus Berlin kommt kein Rückenwind. So angeschlagen war der Ministerpräsident in der CSU noch nie.

Dies erklärt den wachsenden Mut Söders, Seehofer – verklausuliert aber doch deutlich – in den Rücken zu fallen. Er scheint eine baldige Entscheidung zu suchen. Denn der günstige Zeitpunkt dürfte für ihn verstreichen, falls Seehofer bei den Berliner Jamaika-Gespräche im Sinne der CSU punktet. Dann wäre der Ministerpräsident möglicherweise wieder stark genug, um eine Alternative zu Söder als Nachfolger durchzusetzen, beispielsweise den Münchner Innenminister Joachim Herrmann.

Für die Jamaika-Sondierungen ist dieser Wirbel um Seehofer wenig hilfreich. Dessen Fähigkeit, für ihn schwierige Kompromisse zu akzeptieren und auch intern durchzusetzen, ist deutlich gemindert. Das sind keine guten Voraussetzungen für den erhofften inhaltlichen Durchbruch. Hinzu kommt, dass auch Liberale und Grüne momentan noch wenig Neigung zeigen, größere Zugeständnisse für ein Regierungsbündnis mit der Union zu machen. Viele Diskussionen erinnern fatal an Wahlkampf. Dies muss schleunigst beendet werden.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)