Donald Trump hat sich bei seiner ersten Rede im Kongress so präsentiert, wie man es von einem gerade gewählten US-Präsidenten erwarten darf: moderat im Ton, noch vage in Inhalten, vor allem werbend um Sympathie bei Abgeordneten und Senatoren. Denn deren politische Unterstützung braucht Trump, um seine Wahlversprechen finanzieren zu können. Vor allem die Republikaner, die die Mehrheit bilden, muss er für sich gewinnen. So etwas gehört für jeden neuen Präsidenten zum politischen Geschäft

Dennoch war diese Rede alles andere als normal. Grund sind die unsäglichen Vorfälle und Verwerfungen, für die Trump im Wahlkampf und in seiner noch kurzen Washingtoner Amtszeit verantwortlich ist. Von diesem Krawall- und Konfrontationskurs hat sich Trump in seiner Kongressrede nicht distanziert. Und das zählt in allererster Linie.

Wer das Land an einem Tag mit Hassreden spaltet, kann nicht 24 Stunden später als großer Versöhner auftreten. Das ist schlicht unglaubwürdig – auch wenn man den neuen Tönen des Präsidenten gerne trauen würde. Hinzu kommt, dass ein Teil des Schadens ohnehin kaum noch zu reparieren ist. Dies betrifft die Verunglimpfung von demokratischen Institutionen und Prozessen. Hier hat Trump vor allem durch seine pauschalen Attacken gegen Medien und die Unabhängigkeit der Justiz die Fundamente der amerikanischen Demokratie zu unterhöhlen versucht. Das ist unentschuldbar bei jemandem, der den Amtseid auf eben diese Verfassung abgelegt hat.

Schlimmer noch: Trump ließ in dieser Hinsicht im Kongress keinerlei Unrechtsbewusstsein spüren. Stattdessen wollte er mit milden Tönen Schönwetter bei Senatoren und Abgeordneten machen. So redet ein Wolf im Schafsfell.

Gleichwohl, Trump ist für vier Jahre gewählt. Man muss abwarten, wie er weiter vorgehen wird. Da zählen Taten und der Ton bei zukünftigen Ereignissen, in denen er nicht – wie jetzt im Kongress – als Werbender sondern als Entscheider auftreten muss. Solche Situationen werden der eigentliche Härtetest für den Stil Trumps als Präsident sein. Doch leider stimmen die bisherigen Erfahrungen nicht hoffnungsvoll. Dafür war neue Chef im Weißen Haus in der Vergangenheit viel zu häufig sprunghaft und unberechenbar.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)