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Das Blutbad im amerikanischen El Paso mit mindestens 20 Todesopfern könnte schrecklicher kaum sein. Doch fatalerweise sind derartige Verbrechen in den USA leider keine Seltenheit mehr. Bereits weniger als 24 Stunden später gab es zehn Tote durch einen Schützen in der Stadt Dayton im US-Bundesstaat Ohio.

Die liberalen Waffengesetze leisten solchen Taten Vorschub. Hinzu kommt seit einiger Zeit eine Radikalisierung des politisch-gesellschaftlichen Klimas. Erste Äußerungen der Behörden zeigen, dass der Killer von El Paso möglicherweise aus Hass auf Lateinamerikaner um sich geschossen hat. Zwar gilt es, die weiteren Ermittlungen abzuwarten. Doch klar ist in jedem Fall: Rassismus und Fremdenhass können in verwirrten Köpfen fürchterliche Folgen bewirken. Entsprechend verantwortungsbewusst sollten Politiker und andere Bürger gerade bei Ausländerthemen ihre Worte wägen.

Präsident Trump hat dies in der jüngsten Vergangenheit leider nicht getan. Immer wieder testete er die Grenzen zum offenen Rassismus aus. Er schürte Ressentiments und Vorurteile, ohne sich dabei allerdings zu klar rechtswidrigen Äußerungen hinreißen zulassen. Doch seine Zuhörer und Anhänger wussten, was gemeint war oder zumindest gemeint sein könnte. So können Spitzfindigkeiten und Unterstellungen eine gefährliche Eigendynamik gewinnen. Diese muss nicht automatisch in Gewalt münden, aber die Hemmschwellen sinken.

Trump zeigt sich jetzt entsetzt über die Vorgänge in El Paso. Das ist für einen US-Präsidenten angemessen. Ebenso angemessen wäre es allerdings für den höchsten Repräsentanten der Nation, wenn er seinerseits alles versuchen würde, die Spaltung und Gewaltaffinität der amerikanischen Gesellschaft zu verringern. Doch das ist leider nicht wahrscheinlich. Dafür ist Trump zu sehr Demagoge und um seine Wiederwahl im kommenden Jahr bemüht.

Für Deutschland kann die Lehre aus all dem nur lauten: Wehret den Anfängen. Selbst kleinste Verharmlosungen von Hass und Gewalt gegenüber Fremden oder Minderheiten müssen ernst genommen werden. Insbesondere am rechten politischen Rand gibt es hier bereits brandgefährliche verbale Grenzüberschreitungen – von physischen Gewalttaten ganz zu schweigen. Geistigen Brandstiftern muss das Handwerk gelegt werden. Denn auch Worte können töten.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)