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Unabhängig vom konkreten Ausgang des Falls Maaßen: Der Schaden für die politische Kultur ist in jedem Fall immens. Offenkundig haben sich die Berliner Akteure zu weit vom Gerechtigkeitsfühl der Mehrheit entfernt. Denn kaum jemanden war plausibel zu machen, dass ein Spitzenbeamter nach einem massiven öffentlichen Vertrauensverlust nur durch Beförderung von seinem Posten entfernt werden kann. Die Parteichefs der Union und der SPD erweckten den Eindruck einer Kungelei zu Lasten Dritter – sprich der Wähler und Steuerzahler.

Es ist dieser Hinterzimmerstil, der immer mehr Bürger von den Regierenden entfremdet – eine für die Demokratie gefährliche Entwicklung, in der der Fall Maaßen nur die Spitze eines Eisberges darstellt. Die Konsequenzen sind Politikverdrossenheit bis hin zu offener Radikalisierung. Man schaue nur auf die jüngsten Vorgänge in Sachsen und das Erstarken der AfD, um die Brisanz der Entwicklung zu erkennen.

Es wächst leider bei vielen Bürgern das Gefühl, „die da oben“ würden in einer Art luftleerem Raum agieren – ohne Kenntnis der wahren Befindlichkeiten, Sorgen und Prioritäten an der Basis. Als Devise gelte bloßer Machterhalt statt vernünftige und anständige Politik für die Mehrheit. Und der Fall Maaßen hat diese Negativstimmung weiter befeuert, wie jüngste Umfragewerte zeigen. Verständlich, denn die Parteichefs hatten den Bürgern eine so trickreich-überspannte Lösung präsentiert, dass man den Eindruck gewinnen konnte, es seien Winkeladvokaten statt Volksvertreter am Werk gewesen.

Am meisten beunruhigte dabei die Mischung aus Naivität und Chuzpe, mit der die drei Vorsitzenden ihre ursprüngliche Einigung als eine Art Dienst am Gemeinwohl verkaufen wollten – sprich als Beitrag zur Stabilisierung von Regierung und Parteienlandschaft. Dieses Manöver ist dann am Ende auch krachend gescheitert, wie das Ziehen der Notbremse durch Andrea Nahles beweist.

Die zentrale Lehre daraus lautet: Politiker müssen sich wieder stärker am Denken der einfachen Bürger als an den Taktiken von Parlamentariern und Parteifunktionären orientieren. Kurzum, es geht um mehr Bodenhaftung, einen besseren Stil und eine deutlich offenere Kommunikation. Misslingt dies, dürfte es für viele bei den kommenden Wahlen ein böses Erwachen geben.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)