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Brexit, Migration, zunehmender Nationalismus: keine Frage, die EU steht momentan vor immensen politischen Herausforderungen. Umso wichtiger, dass Idee und Institutionen der europäischen Einigung lebendig bleiben und wieder ihre volle Kraft entfalten. Der entscheidende Motor hierfür ist die aktive Zustimmung der Bürger. Und genau hier legt die neueste Bertelsmann-Studie den Finger in der Wunde: Gleichgültigkeit und Wahlmüdigkeit in der politischen Mitte der Bevölkerung, während gleichzeitig die EU-kritischen Ränder mobilisiert werden.

Bestätigt sich dieser Trend am Wahltag, drohen eine Blockade und damit ein Bedeutungsverlust des EU-Parlaments. Der Appell an die „schweigende Mehrheit“ kann daher nur lauten: Am 26. Mai ins Wahllokal gehen. Gerade in schwierigen Zeiten müssen die Bürger Flagge zeigen und ihre Repräsentanten gegen Angriffe von innen und außen schützen.

Auseinandersetzung um Programme sowie Kritik an begangenen Fehler sind zwar unerlässlich, um den Wählern ein fundiertes Urteil zu ermöglichen. Doch dies allein reicht nicht aus. Ebenso wichtig ist ein Konsens über die grundsätzliche Ausrichtung und Verfassung der Union – sprich über die EU als notwendige Voraussetzung für Frieden, Freiheit und Wohlstand auf dem Kontinent.

Zu viele Bürger in den verschiedenen Mitgliedsländern halten das Positive der EU für selbstverständlich. Das ist ein gefährlicher Irrtum. Denn die internationale Konkurrenz vor allem in Asien wartet nur darauf, die Europäer auf den Weltmärkten zurückzudrängen. Auch Russland versucht auf vielfältige Weise, seinen Einfluss auf Kosten der unmittelbaren Nachbarn und der Westeuropäer auszuweiten. Derweil attackieren autoritäre Politiker wie Viktor Orban in Ungarn mehr oder minder offen Grundwerte des Einigungsprozesses: Meinungs- und Pressefreiheit, Humanität und Gewaltenteilung.

Diese negativen Entwicklungen müssen gestoppt werden, bevor es zu spät ist. Jeder einzelne Bürger kann dazu einen Beitrag leisten, indem er an der Europawahl teilnimmt und für eine der EU-freundlichen Parteien votiert. Dies gibt der Union die notwendige Legitimation, um glaubwürdig die gemeinsamen europäischen Anliegen zu vertreten. Ohne einen solch breiten Rückhalt nützen auch die kompetentesten Politiker in Brüssel wenig. Sie würden schlichtweg an den Rand gedrängt.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)